zum Inhalt springen

Muscheln auf dem Schlammboden?

Substrat-Experimente zur Taphonomie und Lebensweise von Bivalven

Seit Jahrzehnten wird insbesondere im Kontext mit Studien über anoxische oder dysoxische benthische Lebensräume diskutiert, welche Lebensweise die in zugehörigen Sedimenten überlieferten Organismengruppen gehabt haben könnten, ob sie autochthon oder subautochthon eingebettet wurden.

Während einer Arbeit über die Fazies und Paläoökologie des Actinopterien-Schwarzschiefer-Events im späten Viséum des Rheinischen Schiefergebirge durch Christian Nyhuis (Nyhuis et al., 2015) ergab sich die konkrete Frage, wie beispielsweise die Muscheln Posidonia becheri und Actinopteria sulcata in oder auf solch feinkörnigen Sedimenten, in denen sie überliefert werden, überleben konnten. Als Alternativen zu einer vielfach publizierten epibenthischen Lebensweise wurden bislang Eintrag aus anderen Habitaten (allochthone Einbettung), Anheftung an umhertreibende (Algen-)Substrate (pseudoplanktische Lebensweise) oder gar extreme Lebensweisen (chemoautotrophe Ernährung) diskutiert.

Biologische Zwänge müssen dabei genauso berücksichtigt werden wie das physikalische Verhalten eines Bivalvenkörpers auf dem pelitischen Sediment. Das Einsinken der Muschel muss einerseits verhindert werden, da ansonsten die respiratorischen Systeme und solche zur Nahrungsaufnahme- und verdauung verklebt würden. Dies scheint allerdings auf Schlammböden mit Korngrößen unter 63 µm überhaupt nicht möglich zu sein, weil das Sediment keine angemessene Festigkeit aufweist, um Epibenthos zu tragen. Andererseits könnte es auch möglich sein, dass das Sediment aufgrund seiner kohäsiven Kräfte sehr wohl in der Lage ist, die Organismen zu tragen, sofern keine Aufwirbelung erfolgt. Die in karbonischen (Schwarz-)Schiefern überlieferten Bivalven sind nahezu ausnahmslos byssat und werden außerhalb der Schieferfazies auch in karbonatischen und siliziklastischen Ablagerungsräumen gefunden, in denen es an Anheftungssubstrat für die Byssusfäden nicht gemangelt hat. Für pelitische Substrate ergibt sich zwangsläufig die Frage, an welchen Festkörpern sich die Byssusfäden hätten anheften können.

Um diesen Theorien zu begegnen, wurde ein kleines Forschungsprojekt initiiert, um im Experiment verschiedene Bivalven-Arten auf Schlammböden zu platzieren und das physikalische Verhalten der Gehäuse zu analysieren. Die Arbeiten haben gerade begonnen; wir werden über die Fortschritte an dieser Stelle berichten.

 

Kontakt bei Fragen:

Ellen Maus
Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln
Zülpicher Str. 49a
50674 Köln
Email: ellen.maus(at)uni-koeln.de

Professor Michael R.W. Amler
Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln
Zülpicher Str. 49a
50674 Köln
Tel. 0221/470 5672
Email: michael.amler(at)uni-koeln.de