zum Inhalt springen

Ein Schurf in unterkarbonischen Kulm-Schichten im westlichen Hessen bei Battenberg-Laisa

Topthemen

Der Steinbruch „Horst“ südwestlich von Battenberg-Laisa erschließt die sedimentäre Abfolge des mittleren Unter-Karbons (Viséum) der nördlichen Dill-Mulde. Die Abfolge reicht von den dunklen Kieselschiefern (Schwarze Lydite; Hardt-Formation) über helle (bunte) Kieselschiefer und nur geringmächtige Kieselkalke (Laisa-Formation) bis zu den Kieseligen Übergangsschichten (Bromberg-Formation). Der mittlere Abschnitt des Profils ist die Typus-Lokalität der Laisa-Formation. Tuffit- und Metabentonit-Lagen sind gelegentlich eingeschaltet.

Nachdem der Aufschluss vor etwa acht Jahren aufgelassen wurde und weitgehend verwilderte, wurde in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege (Paläontologie) Hessen, Wiesbaden, dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Wiesbaden, dem Nationalen Geopark GrenzWelten sowie der Unteren Naturschutzbehörde im Dezember 2018 im Rahmen einer Biotopoptimierung die Schichtenfolge aufgeschürft und für wissenschaftliche Untersuchungen bereitgestellt.

Das Profil im ehem. Steinbruch „Horst“ ist in mehrfacher Hinsicht von hoher geologischer Bedeutung. Er lieferte bislang eine artenreiche Fauna aus Trilobiten, Brachiopoden, Bivalven, orthocone Cephalopoden und Ammonoideen; darüber hinaus sind zahlreiche Reste von Landpflanzen vertreten. Paläogeographisch betrachtet lag die Lokalität Laisa während des Viséums im Osten des Rhenoherzynischen Beckens. Hier ist einerseits die hochpelagische Phase eines Hungerbeckens ausgebildet, überlagert von Kulm-Sedimentgesteinen, die belegen, dass sich die Gegend um Laisa während dieser Zeit im Raum eines marinen Paläo-Hochs befunden haben muss, ggf. sogar nahe einer ehem. Festland-Küste.

Ziel der Untersuchungen, u.a. beginnend durch eine Bachelorarbeit und gefolgt von wissenschaftlichen Fossilbergungen und Auswertungen durch die beteiligten Wissenschaftler und zusätzlich konsultierte Spezialisten, sind die Korrelation der Schichtenfolge im Aufschluss „Horst“ mit den bekannten Profilen der Umgebung, u.a. dem Bromberg bei Medebach, die paläontologische Bearbeitung der geborgenen Fossilien sowie die Rekonstruktion der Paläoökologie und Paläogeographie im regionalgeologischen Kontext.

Erste Ergebnisse sollen bereits in diesem Sommer anlässlich des in Köln stattfindenden 19. Internationalen Karbon-Perm-Kongresses vorgestellt werden, möglichst im Rahmen einer Exkursion.

Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Wiesbaden, danken wir für die Finanzierung dieser Geländemaßnahme.

 

Kontakt bei Fragen:

Nicklas Ackermann
Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln
Zülpicher Str. 49a
50674 Köln
Email: nicklas.ackermann93(at)gmail.com

Professor Michael R.W. Amler
Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln
Zülpicher Str. 49a
50674 Köln
Tel. 0221/470 5672
Email: michael.amler(at)uni-koeln.de

Professor Hans-Georg Herbig
Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln
Zülpicher Str. 49a
50674 Köln
Tel. 0221/470 2533
Email: herbig.paleont(at)uni-koeln.de